NEB 20.11.2009 Seite 9

Duschek –Ausstellung macht Lust auf mehr

Hans-Viktor Kraemer zieht nach Ende der Retrospektive Bilanz und übergibt Werkverzeichnis

Vier Jahre lang hat die Richard-Duschek-Retrospektive die Projektgruppe und den Gemeinderat beschäftigt. Jetzt ist das Projekt beendet. Gruppenleiter Hans-Viktor Kraemer zog im Gemeinderat Bilanz.

VON EVA RIEFER

"Ja, mir kennet's" - das Fazit, das Hans-Viktor Kraemer zum Ende·seines Vortrags zog, war nicht nur ein Rückblick auf die Richard - Duschek - Retrospektive, sondern auch eine Ermutigung für weitere Ausstellungen im Steinhaus. Die Kunstsammlung der Stadt. als Basis, die Aufgeschlossenheit der Stadtverwalltung, dazu die große Bereitschaft der Besigheimer, für kulturelle Projekte Geld und Zeit zur Verfügung·zu stellen - für Kraemer waren das die Faktoren, die zum Erfolg der Ausstellung in diesem Sommer geführt haben.

3500 Besucher

In seiner Bilanz vor dem Gemeinderat legte Kraemer die Kennzahlen der sechswöchigen Ausstellung im Steinhaus vor: 3500 Besucher sahen sich die 133 gehängten Bilder, Zeichnungen und ausgestellte Korrespondenz an, bei den Führungen machten sich allein 141 Schüler mit dem Werk des Besigheimer Malers und Illustrators vertraut. „Eine gute Zahl", findet Kraemer, allerdings hätte er sich von den Schulen noch mehr Resonanz gewünscht. Die Helfer des Geschichtsvereins haben insgesamt 760 Stunden Aufsicht geleistet. Finanziell ist das Fazit zwiespältig: Mit Gesamtkosten von am Ende 70.000 Euro liegt das Projekt deutlich über den anfangs geplanten 40.000 Euro. Allerdings wurde auch nicht mit mehr als 30.000 Euro Spenden gerechnet und Anschaffungen wie die Ausstellungswände oder spezielle Lampen sind auch weiterhin nutzbar. Aus dem städtischen Haushalt wurden schlussendlich 32.000 Euro für die Retrospektive gebraucht. "Das Geld war es uns wert", sagte Adolf Eisenmann (FWV) - dem stimmten auch die Vertreter der anderen Fraktionen zu.

Mitgebracht hatte Kraemer auch ein Werkverzeichnis von Richard Duschek auf DVD, da inzwischen mehr als 800 Einträge aufweist. "Das wird weiter gepflegt, ich ziehe mich nicht zuruck", versprach Kraemer. Auch das Gästebuch der Ausstellung hat er Bürgermeister Steffen Bühler übergeben.

Lob aus dem Gemeinderat

Für ihre Arbeit bekam die Projektgruppe, in der auch Brigitte Popper, Cynthia Thumm und Martin Haussmann mitgearbeitet haben, sowie die zahlreiche Helfer großes Lob aus allen Fraktionen. "Irgendwie schade, das es jetzt zu Ende ist", sagte Helmut Fischer (BMU). Hansjörg Kollar (CDU) hofft, dass bald wieder etwas kommt. Und von Joachim Stark (SPD) kam die Anregung, die Erfahrungen aus diesem Sommer zu nutzen: "Wenn die Musikschule Pause macht, kann man die Ferien doch auch in 'Zukunft für Ausstellungen nutzen."

BESIGHEIM, 25. AUGUST 2009Bietigheimer Zeitung Logo

Schätze werden eingemottet

Duschek-Ausstellung in Besigheim ist beendet - 3500 Besucher während sechs Wochen

Mit einer Finissage und 270 Besuchern alleine am Sonntag ging die Duschek-Ausstellung zu Ende. 
Mit einer Finissage und 270 Besuchern alleine am Sonntag ging die Duschek-Ausstellung zu Ende. Foto: Helmut PangerlFoto: Helmut Pangerl

Wehmut" fühlt Hans-Viktor Kraemer, Organisator der am vergangenen Sonntag zu Ende gegangenen Ausstellung mit Werken des Besigheimer Malers Richard Duschek im Steinhaus.
   "Wir bauen ab", sagt Hans-Viktor Kraemer zweideutig. "Ich selbst und wahrscheinlich auch das gesamte Organisationsteam fallen sicher in ein Loch, nachdem uns die Duschek-Ausstellung über Monate, ja fast Jahre beschäftigt hat", meint er. Aber auch die Werke selbst werden abgebaut und fallen sozusagen in ein Loch, will heißen, die Gemälde müssen zurück ins dunkle, kalte Archiv.
   Nach dem Ende der großen Ausstellung im Besigheimer Steinhaus treibt den Ausstellungsmacher die Frage um: "Was passiert nun mit diesen Schätzen, werden sie eingemottet und fallen der Vergessenheit anheim?" Er selbst sowie die Kuratorinnen Cynthia Thumm und Brigitte Popper als auch der mitveranstaltende Geschichtsverein, der 750 Stunden Schichtdienst als Aufsicht investierte, können diese Frage nicht beantworten - "das kann nur die Stadt", sagt Kraemer. Bürgermeister Steffen Bühler blieb der Finissage am vergangenen Sonntag fern. "Da hätte ich gerne ein Statement gehabt", sagt Kraemer. 270 Besucher waren am letzten Ausstellungstag gekommen, 80 allein zur Finissage.
   In jahrelanger akribischer Kleinarbeit hat das Team das Erbe von Richard Duschek, das er der Stadt Besigheim vermachte, archiviert, zusammengetragen, des Künstlers Biografie aufgearbeitet, Verbindungen entdeckt, geforscht und recherchiert. Nun zeigt sich der vorher chaotisch über die Stadt verteilte Nachlass Duscheks ordentlich in einem Archiv im Steinhaus, aber, so meint auch Kunsthistorikerin Cynthia Thumm, noch lange nicht restlos aufgearbeitet. "Es wäre zu schade, wenn alles nun einfach im Archiv belassen würde", sagt Kraemer. "Ein Erbe ist auch eine Verpflichtung und darf nicht in Vergessenheit geraten."
   30 000 Euro hat die Stadt sich die Ausstellung kosten lassen sowie drei Werke erworben. Im Laufe der Ausstellungsvorbereitung hat man nicht nur neue Informationen über Richard Duschek gefunden, sondern auch weitere wichtige Werke entdeckt. Vor allem im Bereich der Illustrationen Duscheks hat das Team vorbildliche Arbeit und einen Beitrag zur Aufarbeitung von Duscheks künstlerischer Arbeit geleistet. "Die Ausstellung war eine Retrospektive, aber nun geht es um die Weiterführung, da steht die Stadt in der Pflicht, denn, wie die Gästebücher zeigen, erwartet die Bevölkerung mehr", so Kraemer. 3500 Besucher lockte die Ausstellung ins Steinhaus, die nicht nur eine "Konsumausstellung war, sondern eine Art Sozialveranstaltung für Besigheim", sagt Kraemer. Die Bürger hätten die Veranstaltung gerne wie ein Klassentreffen angenommen. Viele persönliche Erinnerungen an den Künstler wären zutage gekommen. Der Ausstellungsleiter hofft deshalb auf eine Initialzündung bei der Stadt.
   Kurz nach Ende der Ausstellung überwiegt jedoch bei Hans-Viktor Kraemer das positive Gefühl. Er stellt auch die gute Zusammenarbeit mit Musikschulleiter Roland Haug heraus, der "uns immer mit viel Unterstützung bedacht hat". Außerdem hätte die Zusammenarbeit mit der Besigheimer Studiobühne Spaß gemacht. Die Schauspieler mussten während der Aufführungen ihres Stückes "Der Menschenfeind" durch die Ausstellung gehen. "Das machten sie mit viel Bedacht", erinnert sich Kraemer.
   Die Studiobühne war auch für die Duschek-Stadtführungen verantwortlich. In Sachen Tourismus und Werbewirksamkeit, so Hans-Viktor Kraemer, war die Ausstellung ein voller Erfolg und hätte Leben in die Stadt gebracht. Nun aber dürfe "die Akte Duschek nicht ad acta gelegt" werden.

Redaktion: GABRIELE SZCZEGULSKI

 

NEB 24.8.2009, S. 9, BESIGHEIM & UMGEBUNG

Die Akte Duschek wird noch nicht geschlossen

Finissage beendet Ausstellung – Insgesamt 3200 Besucher

BESIGHEIM

Ein durchweg positives Fazit zogen Organisatoren, Helfer, Unterstützer und die Besucher gestern bei der Finissage der Richard-Duschek-Retrospektive. Doch auch wenn die Türen der Ausstellung nun geschlossen sind, wird die Akte "Richard Duschek" für Projektleiter Hans-Viktor Kraemer wohl nie geschlossen sein.

VON CHRISTINA KEHL

   Denn die Arbeit geht weiter. Nicht nur, dass die Ausstellung im Steinhaus jetzt abgebaut wird, Rahmen und Bilder zurück zu den Leihgebern müssen. Schon während der sechswöchigen Retrospektive haben die Organisatoren fast täglich neue Hinweise zu dem Künstler bekommen, mit· dem sie sich mehrere Jahre intensiv beschäftigt haben.
   Immer wieder meldeten sich Menschen, die Duschek - Bilder zu Hause hängen haben oder andere Erinnerungen mit dem Künstler verbinden. "Erst kürzlich wurde der Stadt ein Bild angeboten; das wir bisher nur von Fotos kannten", erzählt Kraemer, der gemeinsam mit Martin Haußmann die Fäden der Ausstellung in der Hand hielt. Den Hinweisen gehen beide jetzt im Privaten nach. "Denn noch gibt es viele Lücken, die wir füllen müssen", erläutert Kraemer und nennt beispielsweise Duscheks Zeit als Illustrator.
   Sechs Wochen lang hat die Retrospektive im Steinhaus Einblick in Leben und Werk Duscheks gegeben. Rund 100 Bilder waren zu sehen, dazu gab es viele Rahmenveranstaltungen, Führungen und den Ausstellungskatalog, der weiterhin in der Bürgerinfo im Rathaus zu kaufen ist. Wir wollten nicht nur den Maler zeigen, sondern auch den liebenswerten Menschen Duschek", erinnert Kraemer an die Zielsetzung.

Durchweg positive Resonanz

   Dass das außerordentlich gut gelungen ist, bestätigen nicht nur die lobenden Worte vom stellvertretenden Bürgermeister .Adolf Eisenmann, sondern das verrät auch ein Blick ins Gästebuch. Freilich, nicht jeder der 3200 Besucher hat sich dort verewigt, doch die vielen Kommentare sind durchweg positiv.
   Als eine "Sternstunde für Besigheim" Wird die Ausstellung bezeichnet, als ein "ein zauberhaftes, lebendiges Stück Zeitgeschichte". "Wir wussten gar nicht ob der Schätze der Besigheimer", schreibt eine Bietigheimerin. Ein Ehepaar aus Bremen meint: "Die Ausstellung hat unserer Erwartungen übertroffen, die Reise nach Besigheim hat sich mehr als gelohnt.“ Daneben finden sich Einträge aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, selbst Gäste aus New York und Äthiopien waren da.
   Über die positiven Rückmeldungen freuen sich die Organisatoren, heißt es doch auch, dass sich ihre mehreren Tausend ehrenamtlichen Arbeitsstunden gelohnt haben. Denn die eigentliche Ausstellung ist nur ein kleines Bruchstück von dem, was die Projektgruppe in den vergangenen dreieinhalb Jahren geleistet hat. Die Organisatoren haben den Nachlass Duscheks aufgearbeitet; mit Zeitzeugen gesprochen, in Archiven geforscht und sind mit Duschek auf Reisen gegangen und haben viele Stationen seines Lebens besucht. Nach und nach hat sich so das Puzzle zusammengesetzt.
   Weitere Teile werden in Zukunft sicher noch hinzukommen. Doch langfristig hat Kraemer schon die nächste große Ausstellung im Kopf. Die soll natürlich wieder einen Bezug zu Besigheim haben, wem sie gewidmet sein könnte, will er heute aber noch nicht verraten.

 

NEB 13.8.2009, S. 10, BESIGHEIM & UMGEBUNG

Trockene Akten und witzige Briefe

Brigitte Popper hat aus vielen Puzzleteilen die Biografie von Richard Duschek rekonstruiert

BESIGHEIM

Über mehrere Jahre hinweg hat sich Brigitte Popper mit Richard Duschek beschäftigt - die Ergebnisse sind noch bis zum 23. August in der Ausstellung im Steinhaus zu sehen. Im NEB-Interview erzählt die Stadtarchivarin, wie man einem unbekannten Menschen auf die Spur kommt.

VON EVA RIEFER 

Sie wussten anfangs sehr wenig über Richard Duschek. Wo fängt man an zu suchen? 

BRIGITTE POPPER: Als Erstes steht die Frage: Wo, in welchen Ämtern und Institutionen hinterlässt ein Mensch Spuren? Zuerst habe ich im Besigheimer Stadtarchiv in Familienbüchern nachgeschlagen und die Einwohnermeldekartei durchsucht. So erst habe ich zum Beispiel sein Geburtsdatum herausbekommen, seine Berliner Adresse und dass er sich am 8. August 1943 in Besigheim angemeldet hat. Interessant waren auch die Unterlagen zur Entnazifizierung, wo viele Details erfasst wurden. Zum Beispiel eine Narbe links im Gesicht. Später kamen Anfragen in Archiven in Berlin, Neugarten und Villingen.

Das hört sich ja nach ziemlich trockenem Aktenstudium an ...

Trocken ist vielleicht das Papier, der Inhalt aber gar nicht. Damit setzt sich Stück für Stück das Puzzle zusammen. Eine Frage war zum Beispiel: Wie hat Richard Duschek überhaupt nach Besigheim gefunden? Das läuft wie in einem Krimi: Man trägt Indizien zusammen. 

Und was war ihr Aha-Erlebnis? 

Da gab es viele. Aber eines war zum Beispiel, als eine Zeichnung aufgetaucht ist, die die Vorstadt zeigt. Sie ist datiert auf den 1. Juni 1915. 

Dazu wissen wir, dass Duschek in der Berliner Akademie der Künste unter anderem bei Friedrich Kallmorgen studiert hat. Und aus dessen Biografie geht hervor, dass er im Juni 1915 mit Studenten in Besigheim war. Die Folgerung: Duschek hat aller Wahrscheinlichkeit nach Besigheim bei einer Studienfahrt mit Kallmorgen kennengelernt. Eine folgenreiche Reise. 

Eine Quelle waren auch die Briefe in Privatbesitz und die, die mit dem Nachlass der Familie Duschek ins Stadtarchiv kamen. Wie haben Sie Duschek darin kennen gelernt?

Die Briefe waren ganz wertvoll, sie sind ja die einzigen authentischen persönlichen Dokumente, die wir haben. Ich habe Richard Duschek darin als einen sehr humorvollen Mann kennen gelernt, er schreibt ganz witzig an seine Freunde. Er war klug und sehr belesen - einer Freundin erzählte er zum Beispiel von seiner großen Bibliothek in Berlin. Allerdings zeigen seine Briefe aus dem ersten Winter in Besigheim 1943, dass er anfangs auch deprimiert war. Er hatte fest vor, nach Berlin zurückzukehren.

Für einen gefragten Illustrator aus der Weltmetropole muss der Umzug nach Besigheim ein Kulturschock gewesen sein. 

Vielleicht, es war anfangs sicher eine Notlösung, als die ausgebombte Familie Zuflucht gesucht hat. Aber Richard Duschek hat Besigheim auch sehr geliebt. Er hat ja einmal geschrieben "Oh mein Besigheim, mein lieb Besigheim." Menschen, die ihn noch persönlich gekannt haben, haben ganz bereitwillig erzählt und sich gerne an ihn erinnert. Als ob sie stolz gewesen seien, ihn gekannt zu haben. 

Kann man etwas zur wirtschaftlichen Situation der Familie sagen? 

Reich war die Familie nicht. Wir wissen zum Beispiel, dass Duschek gerade am Anfang oft mit Bildern statt mit Geld bezahlt hat - die Kunst hatte in Besigheim damals keinen hohen Stellenwert. Als viele Jahre später die verwitwete Olga Duschek ins Krankenhaus musste, wurde deutlich, dass sie gar keine Krankenversicherung hatte. Es gab aber immer wieder hilfsbereite Freunde und Gönner, die Duscheks Werke gekauft haben, so konnte sich die Familie über Wasser halten.

Sie haben 553 Briefe gelesen, die Olga und Richard Duschek geschrieben und bekommen haben. Die waren ja eigentlich nicht für fremde Augen bestimmt. Wie gehen Sie mit solch ganz privaten Details um? 

Da gibt es eine ganz klare Trennung: Was den Persönlichkeitsschutz verletzt, kommt mir nicht über die Lippen. Schriftlich erfasst habe ich auch nur die Adressaten und inhaltliche Aussagen, die sein künstlerisches Werk betreffen, oder sich auf Besigheim beziehen. Die Briefe der Tochter Susanne unterliegen zum Beispiel noch einer Sperrfrist. 

Wie ist das für Sie gewesen, sich über Jahre so intensiv mit einer Person zu beschäftigen? 

Das hat mich schon gefesselt. Ich habe in der Zeit auch öfter sein Grab auf dem Alten Friedhof besucht. Es ist komisch zu erklären, ich suche auf diese Art eine Verbindung zu dem Menschen ...

Welche Frage würden Sie ihm denn gerne noch stellen? 

Na zum Beispiel, welche Verbindung er zu Else Krickeberg hatte (sie muss eine wichtige Bezugsperson zu seiner Heimat Böhmen und Berlin gewesen sein. Oder wie er seine Tochter sieht. Aber ganz ehrlich: Eigentlich würde ich mich gerne einfach einen Abend lang mit ihm über Gott und die Welt unterhalten. Ich glaube, das wäre ein Genuss.

 

NEB 6.8.2009, S. 9, BESIGHEIM & UMGEBUNG

Postkarten neu aufgelegt

Um 1917 hat Duschek Besigheim gezeichnet

BESIGHEIM

(eva) - "Meine Motivschachtel" hat Richard Duschek Besigheim genannt und die Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven gezeichnet. Eine Postkartenserie mit seinen Stadtansichten von 1917 wurde jetzt neu aufgelegt.

   Eberhard Brick vom Besigheimer Geschichtsverein hat sich im Zuge der Duschek- Retrospektive der sechs Postkarten angenommen und sie erneut drucken lassen.
   Die um das Jahr 1917 entstandenen Aquarelle werden auch in der Retrospektive ausgestellt. Sie zeigen die Enzbrücke, eine Stadtansicht von der Enz aus, den Blick von oben auf die Stadtkirche und den historischen Stadtkern, den Waldhornturm, eine Szene "Auf der Mauer" und den Kronenberg bei Nacht.
   Ursprünglich wurde die Serie von Albert Köhler herausgegeben, der in Besigheim ein Schreibwarengeschäft hatte und darin auch Postkarten verkauft hat. Gut möglich, dass so mancher Maler, der in Besigheim Station, gemacht hat, an Freunde und Verwandte eine künstlerisch gestaltete Postkarte geschickt hat. 
   Die sechs Postkarten gibt es jetzt zum Selbstkostenpreis von drei Euro in der Ausstellung im Steinhaus und in Besigheimer Geschäften zu kaufen, auch in der NEB-Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße. Oder direkt bei Eberhard Brick, Telefon 80 11 03. Wer den Druck der Postkarten mit einer Spende unterstützen möchte, kann diese auf das Konto des Geschichtsvereins überweisen.

 

BESIGHEIM, 10. AUGUST 2009 Bietigheimer Zeitung Logo 

"Patriotenstölzlein" auf Besigheim Geschichtsblätter porträtieren Olga Duschek

Der 28. Band der Besigheimer Geschichtsblätter widmet sich dem Leben Olga Duscheks, einer Journalistin und Chronistin der Stadt Besigheim.

Textfeld:  
Olga Duschek schrieb viele Artikel über Besigheim und die Städte und Gemeinden in der Region.   Olga Duschek schrieb viele Artikel über Besigheim und die Städte und Gemeinden in der Region.
   Eine "erstaunliche Frau" nennt Lieselotte Bächler, Vorsitzende des Besigheimer Geschichtsvereins, Olga Duschek, deren Leben sie nach etlichen Besuchen in Archiven und nach Gesprächen mit noch lebenden Freunden und Bekannten aufgezeichnet hat. Anlass ist der 50. Todestag ihres Mannes, des Malers und Zeichners Richard Duschek, dem die Stadt zur Zeit eine große Retrospektive widmet.
   An historischen Quellen mangelte es Lieselotte Bächler bei ihren Archivbesuchen nicht. Denn viele Informationen über die 1893 in Häslach geborene Olga, die 1898 mit ihren Eltern nach Besigheim kam, stammen von Olga Duschek, geb. Kullen, selbst. Vor allem nach dem Kriegsende erwies sich Olga Duschek als Journalistin und Autorin, "die die Tinte nicht halten konnte", wie Lieselotte Bächler schreibt.
   Im Auftrag der Stadt führte Olga Duschek in den Jahren von 1949 bis 1962 die Chroniken Besigheims. Sie wirkte als Autorin an einem Bildband über Besigheim mit und schrieb selbst noch nach ihrem Umzug in das Kreisaltenheim nach Freudental zahlreiche Artikel für die Lokalzeitung, darunter auch Kindheitserinnerungen. Für eine Stuttgarter Zeitung porträtierte sie zwischen 1949 und 1950 Städte und Gemeinden im Landkreis Ludwigsburg.
   Ihre Liebe zum Schreiben hat Olga Duschek wohl in Berlin entdeckt, wo sie mit ihrem Mann von 1921 bis 1943 lebte. Angeregt durch den Umgang mit Verlegern, Redakteuren und Schriftstellern, wie Lieselotte Bächler darlegt, verfasste die Gattin des viel beschäftigten Zeichners Feuilletons für die "Leipziger Illustrierte", Geschichten für Jugendzeitschriften und Märchen für Kinderbeilagen, wie Lieselotte Bächler herausgefunden hat. Sie bescheinigt Olga Duschek einen erfrischenden und natürlichen Stil, "manchmal auch drastisch schwäbisch und kritisch".
   In ihrem Beitrag für die Besigheimer Geschichtsblätter belässt es Lieselotte Bächler allerdings nicht bei einem Porträt der Tochter eines Hauptlehrers, die in Besigheim die Lateinschule besuchte und sich danach im Seminar in Markgröningen auf den Beruf einer Volksschullehrerin vorbereitete. Bis zu ihrer Heirat mit Richard Duschek im Jahr 1921 war sie Lehrerin in Besigheim. Bächler ordnet die Entwicklung Olga Duscheks in die historischen Umstände ein und liefert dazu viele Informationen über das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Besigheim zu verschiedenen Zeiten.
   Fotografien aus dem städtischen Archiv und aus privatem Besitz illustrieren die Jugendjahre der jungen Olga Kullen und die Stadt, in der sie aufwuchs. Es entsteht das Bild einer Frau, die bis ins Alter eng mit ihrem Heimatort verbunden war und sich für die Geschicke Besigheims interessierte. "Ich hätte sie gern kennengelernt", sagt Lieselotte Bächler über Olga Duschek. "Sie hat die große Welt kennen gelernt und doch immer wieder ein Patriotenstölzlein auf ihre Heimatstadt Besigheim verspürt."

Redaktion: MICHAEL SOLTYS

© Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH

 

Neckar- und Enzbote

Mittwoch, 5. August 2009, Seite 7, BESIGHEIM & UMGEBUNG 

Wenn Bleistift und Pinsel die Kamera ersetzen

Richard Duschek als Reportagezeichner - Heute Führung und Lesung

BESIGHEIM

• Kinder und Erwachsene besuchen zurzeit das Besigheimer Steinhaus, um sich die Ausstellung über Richard Duschek anzusehen. Sie sehen Landschaftsbilder und Portraits, aber auch zahlreiche Zeichnungen mit Großstadt-Szenen. Diese Motive haben es Cynthia Thumm besonders angetan.

VON EVA RIEFER

   Die Besigheimer Kunsthistorikerin Cynthia Thumm gehört zum Projektteam und hat die Konzeption der Retrospektive von Beginn an begleitet. Aus allen Schaffensphasen des Malers, Zeichners und Illustrators haben die Ausstellungsmacher Bilder·ausgewählt, besonders interessant findet sie die Großstadtmotive.
   Als Reportagezeichner hat Richard Duschek in den 1920er und 30er Jahren Leserreisen des Berliner Scherl-Verlags begleitet und Zeitschriftenartikel illustriert. Die technischen Möglichkeiten der Fotografie waren damals noch begrenzt, Kunstwerke konnten farbig reproduziert werden, erklärt Thumm. Duscheks Zeichnungen waren bekannt und begehrt bei den Verlagen in der Metropole.
   Die kleinformatigen Zeichnungen zeigen zahlreiche touristische Motive: ein Polizist, der in London Fußgänger an roten Doppeldeckerbussen vorbeilotst, Café-Besucher in Paris, das Pergamonmuseum in Berlin, leichtes Leben auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes. Aber auch Alltagsszenen wie den Fleischgroßmarkt in Berlin oder Dreharbeiten zu einem Film.
   Mit schnellem Strich hat Duschek Menschen und Gebäude skizziert, später die Zeichnungen coloriert. Selten sind Gesichter zu erkennen, die Zigarette in der Hand eines Passanten ist nur ein kurzer Strich, die Hintergründe in Schraffur angedeutet. „Er musste schnell sein", deutet Cynthia Thumm die Zeichnungen. Dicht am Straßenrand des viel befahrenen Londoner "Strand" konnte sich der Zeichner nicht viel Zeit nehmen. Trotzdem hat er aber auf unterschiedliche Blickwinkel geachtet. "Man erkennt verschiedene Perspektiven: Mal Weitwinkel, mal Nahaufnahme" erklärt Thumm. "Er hatte als Landschaftsmaler ein Gefühl für gute Bildausschnitte, das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk." Bemerkenswert findet sie auch Duscheks Illustrationen zu den Sagen über "Faust" und "Golem“ fertigte. „Hier hat er den Zeitgeist aufgenommen, sie erinnern an den Jugendstil", erklärt Thumm die Gretchen-Darstellungen. Mit Tusche und Bleistift schafft der Künstler Atmosphäre und Dramatik.
   Mit den Illustrationen hat sich Cynthia Thumm lange beschäftigt. Auf ihr Lieblingsbild angesprochen zeigt sie schnell auf ein Aquarell: Die liegende. Frau, die Richard Duschek 1927 gemalt hat. "Das ist eine ganz entspannte Situation, schöne Farben und eine gute Komposition mit dem Blick über den Stuhl", findet die Expertin. Und weist auch auf den Pinsel hin, der wie vergessen auf der Sitzfläche im Vordergrund liegt. "Das könnte eine Art Signatur sein."


Info: Eine Themenführung zu Duschek in den 1920er Jahren verbunden mit einer Lesung bieten Cynthia Thumm und Miriam Staudacher heute Abend an, 19 Uhr im Steinhaus. Weitere Führungen finden am Sonntag, 9. August, 11.30 Uhr, und am Donnerstag, 20. August, 19 Uhr, statt.

 

Neckar- und Enzbote

Samstag, 25. Juli 2009, Seite 10, BESIGHEIM & UMGEBUNG 

Flotte Hand mit Liebe zum Detail

Restauratorin Barbara Springmann erläutert die Feinheiten in Duscheks Zeichnung

BESIGHEIM

• Den Blick des Kunsthistorikers hat sie nicht. Das stellte Restauratorin Barbara Springmann gleich klar. Dennoch war ihre "maltechnische Führung" durch die Duschek-Ausstellung im Besigheimer Steinhaus sehr informativ. Rund 20 Besucher genossen eine kurzweilige Einführung in die handwerkliche Arbeitsweise des Malers und Zeichners.

 

VON TOBlAS BUMM

   Beim ersten Blick über die Duschek – Retrospektive im Steinhaus kann es dem Betrachter passieren, dass er die Werke zwar eindrucksvoll findet, ihm aber einige Details und Finessen entgehen. "Man muss schon richtig nahe ans Bild ran, damit man alles erkennt", erklärt Barbara Springmann gleich zu Beginn ihrer Führung. Erst dann erschließen sich die zahlreichen minimalen Eigenheiten speziell der Zeichnungen. Gerade seine Bleistiftführung sei meisterhaft gewesen, sagt Springmann. Schon 1914, bevor er nach Besigheim übersiedelte, vollendete er "Baum in Mahlow". Dabei handelt es sich um eine Zeichnung, die auf den ersten Blick aussieht, als sei es eine frühe Fotografie. "Die Grashalme, die Blätter, selbst die Baumrinde hat Duschek in Kleinstarbeit gezeichnet", so die Expertin. Manch ein Gast der Führung stand mit offenem Mund vor dem Werk.
   Der Rest der Sammlung ist ebenso kunstfertig ausgestaltet. Duschek war dabei nicht auf bestimmte Werkstoffe festgelegt. Leinwand, Papier und Hartfaser nutzte er als Untergrund. Darauf komponierte er Szenen des Lebens in Besigheim, seiner Wahlheimat, seinem Studienort Berlin und seiner Lieblingsstadt Paris. Das Treiben auf den Straßen in den 20er und 30erJahren hat er mit Bleistift, Kohle, Aquarellfarben, Buntstiften und sogar Tusche festgehalten. "Oft sind verschiedene Techniken in einem Bild, zu sehen, ließ Springmann wissen.
   In einer winterlichen Idylle Besigheims mit Blick von den Weinbergen auf die Gemeinde verwendete Duschek zuerst Bleistift, dann kolorierte er es leicht nach, um das Ganze mit feinen Tuschestrichen abzurunden. Man erkenne bei allen Exponaten, dass Duschek beim Skizzieren oft "eine sehr flotte Hand haue", das Auge allerdings dennoch in den vollen Genuss des Motivs komme. Das liege an den vielen Details, die der Künstler hinzugefügt hatte Eine Besucherin ließ sich bei den winterlichen Bildern sogar zu . einem spontanen Ausruf hinreißen: "Genauso sehe ich unsere Heimat, wenn ich im Winter dort wandere", meinte sie.
   Springmann hakte sofort ein und erläuterte, dass eben dies das Besondere bei Duschek sei. Er vermittle immer sehr stark eine bestimmte Stimmung, die er zuerst aufsaugte, dann analysierte; um sie dann für die Nachwelt auf die Leinwand oder das Papier zu bannen. Selbst für sogenannten Pentimente, auch Reuezüge genannt, sei er sich nicht zu schade gewesen. So ist auf einem Bild zu sehen, dass ein gezeichneter Stift noch vor Vollendung der Zeichnung ausradiert und versetzt wurde. Diese Art von Selbstkritikfähigkeit und Kraft zur Verbesserung sei ein Gradmesser für gute Künstler, meinte Springmann.
   Noch bis zum 23. August können Besucher im Steinhaus sich selbst eine Meinung zu den Qualitäten Richard Duscheks bilden.

 

Neckar- und Enzbote

Mittwoch, 22. Juli 2009 – BESIGHEIM UND UMGEBUNG – Seite 9

Leserbrief

Thema verfehlt 

Zur Richard- Duschek- Retrospektive in Besigheim

·  Die Vernissage zur Retrospektive war gelungen, der Vortrag von Götz Adriani hochkarätig und der Rahmen für die Ausstellung mit Werken Richard Duscheks im Steinhaus ist sehr schön. Aber eine Retrospektive ist es nicht. Die Arbeit, die Macher und Autoren bei der Erschließung des Werks Richard Duscheks in der Ausstellung und im Katalog geleistet haben, ist beachtlich und verdient vollste Bewunderung. Weniger glücklich jedoch war deren Hand bei der Auswahl der Exponate.
   Sie reduziert den Künstler weitgehend auf den Aquarellisten, Zeichner und Illustrator und vernachlässigt den Maler. Aquarelle, Zeichnungen und Illustrationen mögen quantitativ sein Hauptwerk stellen, sie aber deswegen unter Vernachlässigung seiner qualitativ deutlich höher stehenden großen Ölbilder derart in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, wird dem Künstler Richard Duschek nicht gerecht.
   Alle, die ihn kannten - ich selbst war zwar noch ein kleines Mädchen, aber meine Familie und die Zeitzeugen um mich herum sind zahlreich - bestätigen einhellig, dass er seine Zeichnungen und Illustrationen in Ausübung eines Brotberufs erstellte, der ihm die Existenz als Künstler sicherte. Sein Ziel war es immer, als Maler Anerkennung zu finden; allein vom Verkauf seiner Bilder konnte er sich und später seine Familie im Besigheim der Nachkriegszeit nicht ernähren.
   Es ist außerordentlich bedauerlich, dass die Auswahl im Steinhaus auf die wichtigsten Aspekte des künstlerischen Schaffens im Selbstverständnis Richard Duscheks verzichtet und sowohl, um nur zwei Beispiele zu nennen, die großen postimpressionistischen Ölbilder; die er auf der Grundlage seiner Skizzen aus Venedig und Paris schuf, als auch die abgründige Absinth-Trinkerin, die er neben vielen pittoresken Stadtansichten von dort mitbrachte, konsequent ausblendet.

Prof. Dr. Angelica Rieger,

Mainz-Kastel

 

Spendenaktion:

Um 1917 veröffentlichte Albert Köhler 6 farbige Zeichnungen in Vierfarbendruck von Richard Duschek. Mitglieder des Geschichtsvereins  haben auf vielseitigen Wunsch eine Neuauflage bei der Druckerei Brettdrucken lassen, die nun für 3€ in der Ausstellung, in der GVB-Mediathek, im Rathaus und bei einigen Geschäften in Besigheim zu erwerben sind. Größere Mengen sind über Eberhard Brick, Tel. 07143-801103, zu beziehen. Finanziert wird diese Aktion über Spenden, welche gerne auf das Konto des Geschichtsvereins Besigheim Nr. 407005005 bei der VR-Bank Stromberg-Neckar BLZ 60449130 überwiesen werden können.

Richard Duschek/Albert Köhler Verlag, Besigheim Richard Duschek/A. Köhler Verl., Die Enzbrücke Richard Duschek/A. Köhler Verl., An der Enz
Richard Duschek/A. Köhler Verl., Am Waldhornturm Richard Duschek/A. Köhler Verl., Auf der Mauer Richard Duschek/A. Köhler Verl.,  Am Kronenberg

Am 21.7.2009 stellte Frau Lieselotte Bächler ihr Heft über Olga Duschek vor. Es ist in der Ausstellung in der Mediathek für 6€ zu kaufen. Eine Inhaltsangabe finden Sie unter Besigheimer Geschichtsblätter Nr. 28. 

Die Vorstellung des Besigheimer Geschichtsblattes Nr. 28 OLGA DUSCHEK wird im NEB vom 21.7.09 angekündigt:

Neckar- und Enzbote

Dienstag, 21. Juli 2009, Seite 9, BESIGHEIM & UMGEBUNG 

Chronistin mit eigenem Blick auf die Stadt

Lieselotte Bächler erinnert an Olga Duschek – Geschichtsblatt wird heute Abend vorgestellt

BESIGHEIM

Dem Künstler Richard Duschek widmet die Stadt Besigheim 50 Jahre nach seinem Tod eine Retrospektive. Bei den Vorbereitungen dazu hat sich schnell gezeigt: Es geht um viel mehr als die Bilder. Geschichten rund um die Ausstellung erzählt der NEB in einer kurzen Serie. Heute: Olga Duschek - Managerin, Journalistin .und Chronistin.

Von EVA RIEFER

   Die Bilder ihres Mannes zieren Amtsstuben und Wohnzimmer, ihm zu Ehren wird eine große Ausstellung organisiert. Doch auch Olga Duschek hat in Besigheim ein Vermächtnis hinterlassen, als Chronistin und Autorin, die Jahre über das Leben in der Stadt berichtet. "Man müsste auch was über sie machen", hat sich deshalb Geschichtsvereinsvorsitzende Lieselotte Bächler gesagt und die Biografie recherchiert. Die Ergebnisse sind als "Besigheimer Geschichtsblatt Nr. 28" erschienen, das Bächler am heutigen Dienstag, 20 Uhr, in der Friedrich-Schelling-Schule vorstellt.

   Lieselotte Bächler beschreibt Olga Duschek darin als kluge, willensstarke Frau, die mit ihrem Chic und knitzen Charme beeindruckte. "Schade, dass ich sie nie persönlich kannengelernt habe", sagt Bächler. Sie hat aus Gesprächen mit älteren Besigheimern und Freunden der Familie Duschek, aus Tagebüchern, Veröffentlichungen und Archivmaterial ein Bild zusammengesetzt, das die Persönlichkeit Olga Duscheks lebendig charakterisiert.

Klug und chic

   Die 22-jährige Lehrerin Olga Kullen hatte 1915 den Künstler, Richard Duschek kannengelernt, als er bei einer Studienreise in einem Zimmer in der Wohnung der Familie logierte. Es hat gefunkt zwischen dem charmanten Maler und der hübschen rothaarigen Tochter - Duschek kam öfter nach Besigheim, und obwohl er von seiner ersten Frau noch nicht geschieden war, verlobten sich die beiden. Auch wenn die Mutter wohl gemahnt hatte: "Du dumms Mädle, einen Maler heiratet man nicht, mit dem poussiert man bloß."
   Nach der Heirat 1921 zog Olga mit ihrem Mann nach Berlin, brachte in den folgenden Jahren aber immer wieder einen Hauch von Hauptstadt-Chic ins heimatliche Besigheim. "Sie fiel auf mit ihren Reformkleidern, die ohne Korsett getragen wurden und bequeme weite Arme hatten", berichtet Lieselotte Bächler von Gesprächen mit Zeitzeugen.
   Ihren Beruf·als Lehrerin gab Olga Duschek auf. ,;Heute würde man sagen, sie wurde die Managerin ihres Mannes", sagt die Geschichtsvereinsvorsitzende. Sie habe sich um Tochter Susanne gekümmert, seine Karriere und die Finanzen im Blick gehabt. Sorgfältig hat Olga Duschek das Werk ihres Mannes dokumentiert - die Alben sind auch in einer Vitrine in der Ausstellung im Steinhaus zu sehen. 
   Ein eigenes Standbein hat sich die Frau des Malers aber auch aufgebaut. Ihr Werkzeug war die Schreibmaschine. Sie schrieb Feuilletons für die Leipziger Illustrierte, Artikel in Kinder- und Jugendzeitschriften und verfasste ein Kochbuch. "Sie war eine Frau, die die Tinte nicht halten konnte", zitiert Bächler' Herrmann Schütz, den ersten Nachkriegsredakteur des Neckar- und Enzboten und langjährigen Freund der Familie Duschek. Noch in hohem Alter schrieb Olga Duschek·als Bewohnerin des Kreisaltenheims in Freudental Berichte .über Konzerte für die Senioren.

Spöttisch, aber nie verletzend

   Den Besigheimern hat·Olga Duschek eine sehr persönliche Chronik hinterlassen. Von 1949 bis 1962 führte sie im Auftrag der Stadt Buch über das gesellschaftliche, kulturelle und politische Geschehen. "Sie hat die Stadt durch eine ganz besondere Brille gesehen", findet Lieselotte Bächler. „Differenziert und respektvoll hat sie über die Besigheimer geschrieben, manchmal schon spöttisch, aber nie verletzend."
   Die ersten Fernsehübertragungen in Besigheim hat Olga Duschek dort festgehalten, die Gewerbe- und Handwerksbetriebe beschrieben und die Geschichte der Eisenbahnstrecke recherchiert.
   Im Geschichtsblatt wird ein Abschnitt über die Haarmode Anfang der 60er zitiert: "Die Dauerwelle aber ist für den weiblichen Bubikopf eine feststehende Selbstverständlichkeit geworden, wenn man nicht ungepflegt aussehen will. Eine Prozedur immer noch, wenn man auch dabei die neuesten Modezeitschriften und Illustrierten studieren kann."
   Bis ins hohe Alter war Olga Duschek eine wohlfrisierte Frau, schreibt Lieselotte Bächler. Sie starb 1975 im Kreisaltenheim in Freudental im Alter von 82 Jahren.

Bericht über die Vernissage:

Neckar- und Enzbote
Montag, den 13. Juli 2009, Seite 5 
Besigheim & Umgebung

Volles Haus zur Ausstellungseröffnung
Zum Auftakt der Richard- Duschek- Retrospektive kommen 250 Besucher - Katalog-Buch ergänzt die Schau

BESIGHEIM

Mit einer sechswöchigen Retrospektive erinnert Besigheim an Richard Duschek - Maler, Zeichner, Illustrator und geschätzter Bürger der Stadt. Zur Ausstellungseröffnung am Samstagabend war im Steinhausgarten kein freier Platz mehr zu finden.

 

VON EVA RIEFER

   Star-Gast der Vernissage war Professor Götz Adriani, bekannt als ehemaliger Leiter der Tübinger Kunsthalle und erfolgreicher Ausstellungsmacher. Sein Besigheimer Freund Matthias Kleinert hatte ihn davon überzeugt, sich nach Cézanne, Degas und Renoir auch mit dem Werk von Richard Duschek zu befassen. Diesen "Wanderer zwischen den Welten in schweren Zeiten" würdigte Adriani in einem Vortrag entlang der Stationen in Böhmen, Berlin und Besigheim, zweier Weltkriege und gesellschaftlicher Umbrüche. "In einer Zeit der aufbrechenden künstlerischen Moderne gehörte Duschek nicht zur Avantgarde, sondern eher zur Nachhut, die aber auch ihre Berechtigung hat", sondern eher zur Nachhut, die aber auch ihre Berechtigung hat“, ordnete Adriani Duschek ein. "Künstlerische Konstanz und handwerkliche Fertigkeit zeichnen sein Werk aus - aus heutiger Sicht nicht das Schlechteste."

   Adriani beschrieb den Kulturschock, den der 16-jährige Richard Duschek erlebt haben muss, als er aus dem ländlichen Böhmen in die pulsierende Metropole Berlin kam, sein früh erwachtes Interesse an der Landschaftsmalerei, die aus "patriotischer Pflicht" gemalten Postkarten während des ersten Weltkriegs. In den "Goldenen Zwanzigern" erwarb sich Duschek als Illustrator in Berlin einen guten Ruf, sie wurden zu seinen künstlerisch ergiebigsten Jahren. Als der Nationalsozialismus das Ende der freien Presse brachte, geriet auch, Duschek unter Druck, malte schließlich Wandbilder in Kasernen. "Aus heutiger Sicht ist das durchaus kritisch zu sehen, ich würde aber nicht wagen, über eine Person den Stab zu brechen", sagte Adriani. 1943 schließlich zog die Familie nach Besigheim, das Duschek "meine Motivschachtel" nannte. Dort verbrachte der Künstler die letzten 16 Jahre seines Lebens und blieb vielen so in Erinnerung wie Matthias Kleinert es bei der Vernissage erzählte: "Als Schüler habe ich ihn oft unten an der Enz gesehen, wie er seine Bilder gemalt hat."

   Das Leben und Werk Duscheks zu würdigen und einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, hat sich eine Projektgruppe zur Aufgabe gestellt. "Wir haben den Nachlass aufgearbeitet, sind an seine Lebensstationen gereist, haben mit Zeitzeugen gesprochen und in Archiven geforscht", fasste Cynthia Thumm in ihrer Einführung zur Ausstellung zusammen. Stadtarchivarin Brigitte Popper hat mit ihr zusammen die Retrospektive konzipiert und den Nachlass wissenschaftlich aufgearbeitet. Martin Haußmann und Hans Viktor Kraemer fanden in Böhmen Duscheks Geburtshaus und die Landschaften, die er dort auf Leinwand gebannt hat. "Nach und nach haben wir das Puzzle zusammengesetzt", erzählte Thumm. Das Ergebnis ist jetzt in der Ausstellung zu sehen.

   Rund 100 Werke werden bis 23. August im Steinhaus gezeigt, darunter findet sich im Erdgeschoss auch ein Zeugnis von Duscheks erstem Besuch in Besigheim: 1915 hat der Kunststudent bei einer Studienfahrt die Vorstadt gezeichnet. Im oberen Stockwerk stehen Duscheks Illustrationen im Mittelpunkt. Straßenszenen aus Paris und Athen, Urlauber auf Deck eines Kreuzfahrtschiffes - mit schnellem Strich auf Papier gebannt. Der "bodenständige und doch leidenschaftliche Künstler", so Cynthia Thumm, zeigt sich auch in den ausgestellten Briefen. Zeichnungen ergänzen das Geschriebene, voll Humor und Selbstironie. Duschek stellt sich selbst dar - kariertes Hemd, Pfeife im Mund - beispielsweise als Engel, der über Bietigheim Ausschau nach einem Freund hält.

   Begleitend zur Ausstellung ist außerdem ein Katalog-Buch erschienen. In Beiträgen des Projektteams sowie von Günther Bentele, Uwe Jens Wandel und Ulrike Maushake, werden Duscheks Leben und Werk beleuchtet.

   Das "Herzblut und die Leidenschaft", mit der alle gearbeitet haben, würdigte Bürgermeister Steffen Bühler bei der Vernissage, die von Anna und Clara Waibel an Klavier und Querflöte sowie Dorothea Bronner am Klavier musikalisch umrahmt wurde. Die 250 Besucher bei der Vernissage sieht Bühler als hoffnungsvollen Auftakt: "So viele wie bei der Cézanne-Ausstellung in Tübingen werden es wohl nicht werden - aber dass Götz Adriani gekommen ist, das macht Mut."